Gefahren beim Sammeln von Wildkräutern
Einer Gefahr begegne ich fast jedes mal wenn mit meiner Stofftasche bewaffnet im grünen Dickicht verschwinde - ich vergesse Raum und Zeit und finde mich teils Stunden später irgendwo im schönen Nirgendwo wieder. Es gibt aber auch ernst zu nehmender Gefahren über die man sich bewusst sein sollte.
Die wohl grösste Gefahr ist sicherlich eine giftige Pflanze zu verspeisen oder auch nur zu berühren. Auch wenn ich den berühmten Satz von Paracelsus so schätze “Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei.” gibt es einfach Pflanzen deren Gefahrenpotential so gross ist, dass sie unter keinen Umständen der Küche landen soll. Natürlich sollte man nur sammeln, was man auch klar bestimmen kann. Dies ist das Kredo aller Kräuterfrauen. Doch zu Beginn meiner Sammelleidenschaft stand mir dies oft im Weg. Ich kannte das Pflänzlein vor mir aus Büchern und unterschiedlichsten Onlinebeiträgen, doch fiel mir dessen Name nicht ein und so zu 100% sicher war ich nun auch nicht. Die Spaziergänge wurden so schnell frustrierend und ich sah keinen Lernfortschritt. Also begann ich mich mit Giftpflanzen zu beschäftigen um so immerhin mit grösserer Sicherheit, eine solche ausschliessen zu können. Es gibt nämlich weitaus weniger (tödlich)giftige Pflanzen als Essbare und so kam ich mit dem Lernen schneller voran und traute mich immer mehr ans Probieren. Natürlich ist nur ein Ausschlussprinzip kein Freipass um unbekannte Wildpflanzen gefahrenlos zu Verspeisen aber mit dem ersten Halbwissen über die Essbaren und grösseren Wissen über die giftigen fand ich einen Einstieg.
Eine Vergiftung zeigt sich nicht nur durch Beschwerden im Magen-Darmtrakt sondern auch in Lähmungen der Lunge oder des Hirns und kann so schnell zum qualvollen Tod führen. Daher rate ich allen mit Verdacht auf eine Vergiftung umgehend den Notruf zu wählen oder sich über das Tox- Info (Tel. 145) beraten zu lassen.
Welche Giftpflanzen sind bei uns heimisch? In der Schweiz gibt es 844 Giftpflanzen die zusammen 1586 Phytotoxine haben also unterschiedlichste Giftarten. Darunter fällt auch der Holunder, dessen Beeren nur gekocht verspeist werden sollen. Bei manchen Pflanzen sind nur gewisse Teile giftig, wie bei den Tomaten wo wir die grünen Blätter nicht essen. Manche Giftstoffe kann man durch kochen neutralisieren, wie bei den Stangenbohnen oder Kartoffeln. Bei uns bekannten Pflanzen ist es völlig klar, dass wir die auf eine bestimmte Weise zubereiten, bevor wir sie essen. Bei Wildpflanzen schreckt dies meist ab, obwohl es das gleiche Prinzip ist. Dennoch gibt es Pflanzen von denen ich abrate sie in irgendeiner Weise zu probieren. Besonders an exponierten Lagen ab 1500müM bilden Pflanzen für ihr Überleben stärkere Pflanzenwirkstoffe aus. Sie gelten daher als stärke Heilmittel aber auch giftiger. Auch fürs Auge kultivierte Gartenpflanzen sind oft giftig und dürfen nicht leichtsinnig als Deko auf dem Salat landen.
Da es doch eine grosse Menge giftiger Pflanzen gibt, rate ich jeden sich ein handliches Kräuterlexikon zu kaufen und dies beim Sammeln mitzunehmen. Dort sind meist auch Giftpflanzen vermerkt welche man durch Vergleichen in der freien Natur schnell erkennen kann. Diese Seite hat eine Vielzahl solcher Pflanzen portraitiert und gibt einen ersten Überblick A bis Z - Giftige Wildpflanzen & Früchte - Online-Lexikon » pflanzen-vielfalt.net
Zecken
Leider gilt die ganze Schweiz, mit Ausnahme des Tessins, als Risikogebiet für Borreliose infizierte Zecken. Ich selbst habe schon etliche Zeckenbisse (über 20!) gehabt, auch schon nur beim Lesen auf dem Sitzplatz im Garten. Diese Biester scheinen mich wirklich zu mögen, zum Glück habe ich einen achtsamen Schutzengel und bin noch nie an Borreliose erkrankt. Zecken sind vor allem im Frühling und Herbst aktiv aber man muss sich das ganze Jahr davor schützen und wie ich eben festgestellt habe nicht nur im dichten Wald. Natürlich lebt die Zecke, auch Holzbock genannt, am liebsten im Unterholz aber auch auf Bäumen wovon sie sich auf ihre Opfer stützten kann. Wer Hunde oder Katzen hat, weiss dass diese natürlich gerne als Wirt ausgesucht werden und sich eine im Fell hängengebliebene Zecke auch zum Menschen schleichen kann.
Der Zeckenbiss selbst ist nicht die Grundgefahr sondern deren Krankheiten. Bei uns heimisch Zecken sind zu 5-50% mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi infiziert und jährlich erkranken dadurch 10000 Menschen in der Schweiz daran. Die Krankheit kann zwar mit langwieriger Antibiotikatherapie bekämpft werden aber auch unerkannt ein Tausendsassa an Krankheitssymptome mit sich bringen.
Zum Glück übertragen nur 0,5% aller Zecken den FSME-Virus in sich, weshalb “nur” 100-250 Menschen daran erkranken. Gegen dieses Virus kann man sich auch impfen lassen, was für Menschen die viel im Wald sind sicherlich eine gute Idee ist. Beide Erkrankungen können schwerwiegende Folgen haben und einen ein Leben lang begleiten und sollten daher unbedingt vermieden werden.
Auch wenn Zecken nur ein paar Millimeter gross sind und sich geschickt durch jede Spalte zwängen können, kann man sich davor schützen. Wer gerne natürliche Alternativen sucht, wird meist zu Kokos- oder Schwarzkümmelöl greifen oder einer Mischung aus ätherischen Ölen, die den menschlichen Duft übertünchen. Ich persönlich verwende das klassische “Anti-Brumm” und spraye mich grosszügig, vor dem Kräutersammeln ein. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht und damit nie ein unfreiwilliges Mitbringsel aus dem Wald mitgebracht. Und ja, vielleicht sind nicht alle Inhaltstoffe so ideal für die Haut aber dies nehme ich für einen zuverlässigen Schutz gerne in Kauf. Ein Pumpspray ist super einfach in der Anwendung und ich kann auch meine Kleidung damit einsprühen ohne Flecken. Zudem ist so eine fertige Mischung auch lange haltbar, was bei selbstgemachten oft schwierig ist. Natürlich ist lange Kleidung für mich Pflicht! Die Zecken gar nicht erst auf die Haut lassen ist schon mal ein grosser Vorteil und auf heller Kleidung sind diese auch besser zu erkennen. Nach dem Aufenthalt draussen gehört für jeden eine gründliche Ganzkörperkontrolle an und zwar wirklich gründlich. Zecken mögen es feuchtwarm und diese Umgebung herrscht bei uns nun mal nicht auf den Armen 😉 . Bei aller Liebe zu selbstgemachter Körperpflege und Heilmitteln gibt es für mich Themenbereiche, bei denen ich keine Experimente wage und studierten Wissenschaftlern und ihren geprüften Formeln vertraue.
Der Fuchsbandwurm - Echinococcus multilocularis
Dies ist ein kleiner Bandwurm der im Darm von Füchsen, selten auch Katzen oder Hunden, lebt und dort Eier legt. Diese Eier werden über den Kot ausgeschieden und können monatelang in der Natur überleben. Wenn wir nun etwas Essen, dass mit diesen Eiern kontaminiert ist, bilden sich im Körper Larven. Diese schädigen die Organe, besonders die Leber, was meist erst nach Monaten oder Jahren bemerkt wird. Oft vergehen 5- 15 Jahre bis eine Infektion diagnostiziert werden kann, dann ist bereits ein Schaden im Körper entstanden. Zum Glück kann diese schwere Erkrankung heute mittels Operationen und Langzeitmedikation in den meisten Fällen besiegt werden. Wer akuten Verdacht hat, sich mit dem Fuchsbandwurm infiziert zu haben, kann auch einen Frühtest über eine Blutabnahme machen.
Der Fuchsbandwurm kommt nur in der nördlichen Hemisphäre vor, in der Schweiz ist er im Mittelland und Jura verbreitet. Da eine Infektion nicht meldepflichtig ist, kann das BAG keine genauen Auskünfte über die aktuelle Verbreitung geben. Dennoch gibt es in der Schweiz jährlich nur 20 bis 30 Neuinfektionen. Der Fuchs lebt aufgrund der stetigen Erweiterung des Wohnraums schon längst nicht mehr nur im Wald, sondern wird öfters auch in Dörfern oder Städten gesichtet. So gesehen kann man sich mit dem Parasiten auch über den Salat aus Nachbars Garten oder gekauftes, in hierzulande produziertes Obst und Gemüse infizieren. Jedoch kann man sich auch schützen, indem man nach der Arbeit im Garten gründlich die Hände wäscht und natürlich sein Obst und Gemüse vor dem Verzehr ebenfalls wäscht oder am Besten kocht. Leider überlebt dieser hartnäckige Wurm auch bei -20°C und somit auch den Tiefkühler. Die Eier mögen eine feucht-warme Umgebung und sterben erst bei Temperaturen von über 80°C ab, jedoch mögen sie längere Trockenzeit nicht. Wer also Wildkräuter knuspertrocken lagert, sollte das Risiko auch minimieren können.
Nach einer Studie der Universitätsklinik in Tübingen besteht aber für Kräuter- und Pilzsammler keine erhöhte Gefahr. Besonders Menschen die beruflich viel im Wald sind wie Förster und Jäger aber auch Halter von Hunden und Katzen gelten als gefährdeter.
Alle Universitätskliniken der Schweiz sehen die Gefahr einer Infektion als gering an und geben daher keine Warnung aus. Doch nicht nur der Fuchs kann schwere Krankheiten auf uns Menschen übertragen, alle Tiere können unterschiedliche Parasiten, Viren, Bakterien oder Pilzerkrankungen in sich tragen und diese als Hinterlassenschaft auf Pflanzen und Beeren platzieren. Daher rate ich Beeren oder Blätter vor dem Verzehr mindestens abzuwaschen. Blüten deren Blütenstaub oft Träger der Pflanzenwirkstoffes ist, esse ich jedoch ohne abzuwaschen.
Für mich persönlich sehe ich die Gefahr einer Infektion als gering, sodass ich mir die blühend wilden Leckereien so schmecken lasse. Natürlich ist dies eine Entscheidung die jeder für sich selbst treffen muss, ich sehe meinen Zuckerkonsum oder auch hochverarbeitete Lebensmittel, mit für mich, unklaren Zutaten als weitaus Grössere Gefahr für meine Gesundheit.
Die Gefahr einer Vergiftung erachte ich als die grösste und realistischste Gefahr der man beim Sammeln von Wildkräuter ausgeliefert sein kann. Natürlich sollte man neben stark befahrenen Strassen aufgrund der Abgasbelastung auch keine Pflanze sammeln.
Doch wie sehr sind die Pflanzen an stark befahrenen Strassen belastet? Dieser Frage sind Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin nachgegangen. Es kam erhaus, dass sich Schwermetall wie Blei und Cadmium nicht stärker im Obst absetzten, wie in vergleichbaren Proben vom Supermarkt. Beeren speichern diese Schwermetalle jedoch besser als Stein-und Kernobst. Nüsse kann man demnach bedenkenlos auch an stark befahrenen Strassen sammeln, denn sie akkumulieren die giftigen Schwermetalle am schlechtesten. Leider speichern aber bodennahe Pflanzen wie Gemüse diese am Besten. Bei weniger als zehn Metern Abstand lagen zwei Drittel aller Gemüseproben über dem EU-Grenzwert für Blei, bei über zehn Metern überschreitet nur noch ein Drittel diesen Grenzwert. Auf Standorten mit einer schützenden Hecke zwischen Pflanze und Straße überschreiten nur ein Drittel aller Proben diesen Grenzwert.
Nebst bewirtschaften Ackern sieht es leider auch nicht ganz so gut aus. Weltweit werden 96% mit Pestiziden behandelt, besonders Monokulturen wie Mais, Soja und Raps. Leider ist das am häufigsten eingesetzte Pestizid immer noch Glyphosat, welches seit langem im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Dieses Herbizid wird auch zur Bekämpfung von Unkräutern entlang von Zuggeleisen eingesetzt. Da wir kaum wissen, wann ein Feld behandelt wurde und wie hoch dessen Konzentration aktuell ist, würde ich diese grossräumig vom Sammeln auslassen.
Gänzlich pestizidfreie Flächen findet man leider nur noch selten aber es gibt sie. Ich meine damit natürlich kein Naturschutzgebiet, welches nur ein Genuss fürs Auge ist, sondern kleine grüne Fleckchen Erde eben irgendwo im Nirgendwo.