Blüht eine Blume, zeigt sie uns die Schönheit. Blüht sie nicht, lehrt sie uns die Hoffnung

Chao-Hsiu Chen

August

Thymian 



 

Wenn es bei uns richtig heiss und trocken ist, gedeiht der Thymian prächtig. Die bekannteste Sorte ist der Thymus vulgaris (Bild 1), der in jedem gut sortierten Kräutergarten zu finden ist. Aufgrund seiner starken ätherischen Öle wird er auch zu medizinischen Zwecken empfohlen. Wer keinen Kräutergarten besitzt, kann auch seine wild wachsenden Verwandten sammeln. Zwar kann der Thymolgehalt etwas geringer sein, doch die Wirkung bleibt kraftvoll.

Eigenschaften und Anwendungen
Thymian ist ein verzweigter Halbstrauch mit dichten verholzten Ästchen, die in ihrer Struktur unseren Lungen ähneln und für diese von großem Wert sein können. Er ist die Pflanze der Wahl bei Husten, Bronchitis oder Asthma. Darüber hinaus hat er eine stark immunstimulierende Wirkung und hilft uns, gesund zu bleiben. Thymian wirkt nicht nur entspannend und schleimlösend in der Lunge, sondern seine desinfizierenden Eigenschaften unterstützen auch bei Blasenentzündungen oder Akne. Traditionell wird er bei festsitzendem Husten eingesetzt und ist ein wahres Wunderwerk bei Erkältungen. Er bekämpft Bakterien, Viren und Pilze und wird in Form von Tee, Bädern oder Einreibungen verwendet. Bereits vor 500 Jahren schrieb Leonhart Fuchs: „Thymian mit Honig gekocht und getrunken ist förderlich und nützlich für die, die das Keuchen und das schwere Atmen haben.“

Räuchern und alternative Sorten
Zudem eignet sich Thymian hervorragend zum Räuchern, was Mut und Kraft verleihen und gleichzeitig die Luft reinigen soll.Wer den klassischen Thymus vulgaris nicht im Garten hat, da dieser bei uns kaum wild vorkommt, sollte die Augen an sonnigen, mageren Stellen offen halten. Bei uns in Zuzgen wächst zum Beispiel der „Arnei-Thymian“(Bild 2), und in den Bergen sind verschiedene Arten des Quendels(Bild 3) leicht zu finden. Diese Varianten gedeihen meist auf sonnigen Wiesen oder um Steine und weisen etwas mehr Bitterstoffe auf, sind jedoch milder im Aroma. Sie werden gerne zur Verdauungsregulation verwendet und bieten ähnliche Vorteile wie der Thymus vulgaris.

Mein Geheimtipp
Ein persönlicher Geheimtipp ist Thymian mit etwas Knoblauch als Oxymel, eingelegt in ⅔ Honig und ⅓ Essig. Dieses Gemisch kann auf Brot geträufelt oder in Salatsaucen verwendet werden. Neben dem intensiv wunderbaren Geschmack beseitigt es auch gefährliche Keime.Bei einer Erkältung genieße ich ihn als Tee oder verdopple die Kräutermenge (1 TL pro Tasse) und bereite einen starken Auszug zum Gurgeln bei Halsschmerzen. 

Juli

Schafgarbe



 

Die Schafgarbe wirkt stark krampflösend und blutungsregulierend, weshalb sie seit Jahrhunderten bei sämtlichen Frauenleiden eingesetzt wird. Sie hilft also bei schmerzhaften, starken Periodenblutungen, aber auch bei schwankenden Zyklen von jungen Mädchen oder Frauen in den Wechseljahren. 

Ihre Bitterstoffe regen die Verdauungsorgane an, fördern den Appetit und helfen bei Völlegefühl und Blähungen. Auch äußerlich angewandt entfaltet sie ihre ganze Kraft: Sie empfiehlt sich bei Hämorrhoiden, blutenden Wunden, Vulvitis oder Akne. Der Frischpflanzensaft ist ein bewährtes Mittel bei Blasen- und Nierenschwäche und wirkt gefäßstärkend in der Schwangerschaft oder bei Venenschwäche. Aber auch bei anderen Leiden wirkt sie unterstützend und wird daher von verschiedensten Kulturen weltweit eingesetzt. Sie stärkt und harmonisiert andere Kräuter in einer Teemischung und hilft dem Körper, wieder in Balance zu kommen. 

Diese Wirkung beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Menschen: Sie erhielt ihren Namen, weil sich Schafe darin wälzten, wenn sie sich verletzt hatten. Der Mensch tat es ihnen gleich, und so wurde sie ins Reich der Heilpflanzen aufgenommen. 

Doch die Schafgarbe hilft auch anderen Pflanzen durch ihre ätherischen Öle, die ihre Nachbarn resistenter gegen Pilze und Schädlinge machen. 

Aufgrund ihres bitteren Geschmacks ist sie nur in kleinen Mengen für Salate oder Rohkost geeignet, lässt sich aber mit ihren Blüten (weiß-rosa, Zuchtformen auch in gelb, orange und rot) gut als Dekoration verwenden. Der fast hölzern wirkende Stängel lässt sich übrigens auch als Grillspiess verwenden, gratis und völlig ökologisch. Da sie als Heilpflanze aber so viele Vorteile mit sich bringt, gehört sie in jeden Kräutergarten. 

Sie ist auf Wildwiesen, aber auch oft in den Bergen zu finden, wo man sie an ihren Blättern gut erkennt. Diese werden auch „Augenbraue der Venus“ genannt, was sich beim Anblick gleich selbst erklärt. 

Juni

Johanniskraut


 

Das Johanniskraut ist bei den Kräuterhexen wohl das Sinnbild für Sommer. Die Sommersonnenwende fällt auf den 21. Juni, und nur drei Tage später ist Johannistag. In dieser Zeit sollen die Heilkräuter ihre größte Wirkung entfalten und werden traditionell gesammelt. Die Tage sind dann am längsten, und dies wurde von Heiden und Christen schon mit wilden Festen und Feuerritualen gefeiert. Es war eines der Lieblingskräuter von Paracelsus (1493–1541) und wird von vielen großen Heilern seit Jahrhunderten erwähnt. 

Wie man sieht, gleicht das Johanniskraut mit seinen strahlend gelben Blüten der Sonne und soll uns auch deren Kraft verleihen. Wie wissenschaftlich mehrfach erwiesen, hilft es bei negativen Verstimmungen, Ängsten, Schlafstörungen, Wetterfühligkeit, Migräne und hochdosiert, als Standardpräparat, sogar bei Depressionen. Es kann mit chemisch erzeugten Antidepressiva mithalten, ohne die vielen Nebenwirkungen oder den Gewöhnungseffekt. Jedoch wirkt es sich auf die Verstoffwechselung in der Leber aus und kann somit die Wirkung anderer Medikamente wie z.B. der Pille herabsetzen. Johanniskraut hat großen Einfluss auf den Serotonin-Melatonin-Stoffwechsel und hat somit auch in Doppelblindstudien überzeugt. Medikamente, die auch nach ärztlicher Leitlinie bei Depressionen empfohlen werden, sind jedoch hochdosiert und rezeptpflichtig, daher gehören sie in fachliche Hände. Seine Sonnenkraft ist so stark, dass es lichtempfindlich machen kann, weshalb ein guter Sonnenschutz bei innerer Einnahme zu empfehlen ist. 

Wer dann doch einen Sonnenbrand erwischt, kann diesen gleich mit dem daraus gewonnenen „Rotöl“ behandeln. Im Volksmund wird das arzneilich verwendete Johanniskraut „Tüpfel-Johanniskraut“ genannt – dies sieht man bei genauerem Hinsehen an den dunklen Punkten auf den Blättern und Blüten. Es handelt sich dabei um Öldrüsen, die auch für die rote Farbe verantwortlich sind, die beim Zerreiben zwischen den Fingern entsteht. Ende Juni können die Blütentriebe gesammelt, kleingeschnitten und mit Olivenöl aufgegossen werden. Der Ölauszug ist bereits nach kurzer Zeit tiefrot und wird dann ca. 4 Wochen ziehen gelassen. Das daraus entstandene Rotöl hilft äußerlich bei kleinen Wunden, Verbrennungen, Sonnenbrand, zur Narbenpflege oder als wärmendes Öl bei Blasenentzündungen (auf den Unterbauch und Oberschenkel einmassieren). Seine stark entzündungshemmende Wirkung kann man sich auch innerlich zunutze machen, indem man bei Magenbrennen regelmäßig einen Löffel einnimmt. 

Seine besondere Wirkung beruht übrigens nicht nur auf den einzelnen Wirkstoffen wie Hyperforin, Hypericin, Flavonoiden, Kämpferol und vielen weiteren, sondern auf dem Gesamtspektrum. Natürlich wird bei pharmazeutisch erzeugten Präparaten auf gewisse Inhaltsstoffe mehr Wert gelegt. Doch dass uns auch selbst gepflücktes Kraut bei vielen Leiden helfen kann, liegt an der Magie der einzelnen Komponenten, die perfekt zusammenpassen.

Mai

Spitzwegerich

 

Dieses Wild- und Heilkraut hat wohl jeder schon einmal gesehen, denn es wächst fast überall. Bei den Indianern wurde es „Fußstapfen des weißen Mannes“ genannt, weil die schleimstoffhaltigen Samen sich an den Sohlen der Europäer im ganzen Land verbreitet haben. 

Der Spitzwegerich hat viele gute Eigenschaften, die man sich zunutze machen kann – nicht nur zu Heilzwecken, sondern auch in der Küche. Seine länglich-ovalen Blütenköpfe schmecken wie Steinpilze und können roh gegessen werden. Gerade zu Beginn des Sommers sind sie besonders zart und schmackhaft. Auch eine „falsche Pilzsuppe“ kann daraus zubereitet werden, oder die getrockneten Samen werden als Ersatz für Flohsamen verwendet. Die Blätter bringen Abwechslung in den Salat oder können als Spinatersatz gekocht werden. Sie haben für Wildkräuter ein recht mildes Aroma und sind jung besonders zart. Da Spitzwegerich ungiftig ist, kann die ganze Pflanze verwendet werden – auch von Kindern. 

In der Heilkunde ist vor allem die reizlindernde Wirkung bei (auch therapieresistentem) Husten bekannt. Spitzwegerichsirup gibt es als Standardpräparat zu kaufen oder kann ganz einfach selbst hergestellt werden. Er enthält neben Schleimstoffen, Gerbstoffen und Flavonen unter anderem Aucubin und Catalpol, welche im frischen Zustand antibiotisch wirksam sind und teilweise mit 600 I.E. Penicillin mithalten können. Wer keine Zeit hat, daraus einen Sirup herzustellen, kann die frischen Blätter (1 TL) mit heißem Wasser übergießen, 7 Minuten ziehen lassen und erhält so ein gutes Heilmittel bei Bronchitis. Werden die Blätter mit kaltem Wasser übergossen und etwa eine halbe Stunde stehen gelassen, entfalten sich die reizlindernden Schleimstoffe besonders gut – ein wirksames Mittel bei Reizhusten. Dieser Auszug sollte dann schluckweise über den Tag verteilt getrunken werden. 

Das Aucubin hemmt das Bakterienwachstum, regt das Immunsystem an und wirkt stark juckreizstillend. Mit diesem Wissen kann ein lästiger Mückenstich schnell behandelt werden: Dazu rollt man 1–3 Blätter zu einem Päckchen zusammen, quetscht es gut an und reibt den austretenden Saft auf die juckende Stelle. Am besten verwendet man immer frischen Spitzwegerich, da beim Trocknen viele gute Inhaltsstoffe verloren gehen. Je nach Auszugsmittel können verschiedene Wirkstoffe zur Geltung kommen: So hilft ein Ölauszug äußerlich angewendet bei Husten, und eine Tinktur (Alkoholauszug) bei Insektenstichen. Dieses großartige Heilkraut war bereits Hildegard von Bingen bekannt, die es ebenfalls bei Juckreiz und Husten empfohlen hat. 

Der Spitzwegerich hat noch zwei „Brüder“ – den Mittleren und den Breitwegerich. Beide sind ähnlich einsetzbar, sollen jedoch nicht ganz so heilkräftig sein. Der Breitwegerich wird gerne als Ersatz für ein Blasenpflaster beim Wandern verwendet. Seine breite Blattform lässt sich gut hinter die Ferse legen, wo häufig wunde Stellen entstehen. Auch er enthält reizmildernde und wundheilende Substanzen und hat schon manchem Wanderlustigen auf den Berg geholfen. 

April

Waldmeister


 

Er ist wohl da bekannteste Gewächs aus der grossen Familie der Labkräuter und zumindest geschmacklich vielen bekannt. Wenn die Frühlingssonne den Waldboden langsam erwärmt spriesst er in und um Laubwälder. Typisch sind seine quirlständig angeordneten Blätter um den eckigen Stängel. Die Blätter selbst sind lanzettlich mit einem hellen, mittigen Blattnerv. Der Waldmeister kann sogar bis zu 50cm hoch werden und kommt in vielen Teilen der Erde vor.

Eindeutig erkennt man ihm aber an seinem Geruch. Die Pflanze hat nämlich viel Cumarin, welches beim welken (nach dem Pflücken oder beim Zerreiben) seinen typischen Duft verbreitet. Genau deswegen ist dieses Labkraut auch so bekannt, es wird gerne zum aromatisieren von Süssspeisen oder für die bekannte Maibowle verwendet. Seine heilkundliche Wirkung ist schon lange bekannt, er soll anregend bei Frühjahrsmüdigkeit, harntreibend, schlaffördern und krampflösend sein. Dafür wird das blühende Kraut getrocknet und als Tee genossen. Doch der Meister des Waldes kann sogar richtig magisch werden. Wenn Menschen schlecht gelaunt und griesgrämig sind, soll man ihn auf den Zimmerboden legen, zwischen die Wäsche und um die Matratze. Danach sollte im ganzen Haus Liebe und Herzlichkeit sein- es wäre zumindest ein Versuch wert. 

Das darin enthaltene Cumarin ist ein sekundärer Pflanzenwirkstoff und auch für den Duft beim trockenen vom Gras zum Heu oder der Tonkabohne verantwortlich. Dieser Duft wirkt beruhigend, erdend und hellt die Stimmung auf, so lässt sich auch die erheiternde Wirkung des Waldmeisters erklären. Das einfache Cumarin ist fettlöslich und wirkt im zentralen Nervensystem, es gilt zudem als lymphabflussfördernd und erwärmt die Gefässe in der Tiefe. Daher kann ein “Heublumensäckli” erwärmt, sehr gut bei Muskelverspannungen helfen. Auch wenn dieser Stoff gegen Kopfschmerzen helfen kann, so kann er diese eben auch auslösen. Unter anderem liegt das daran, dass sich das einfach Cumarin beim Gärprozess in Dicumarol umwandelt. Dies ist die pflanzliche Form eines Blutverdünners, so kann es zwar richtig dosiert vor einem Herzinfarkt schützen aber schnell auch schlimme Kopfschmerzen auslösen. Deshalb wird in Fertigprodukten auch kein frischer Waldmeister mehr verwendet. Die Kopfschmerzen nach dem Genuss von Maibowle, sind aber bei richtiger Dosierung wohl eher dem Alkohol als dem Waldmeister zu schulden. Pro Liter Bowle soll man 13 Stängel (vor der Blüte) anwelken und dann für 20min in Sekt oder Wein mit Apfelsaft ziehen lassen. Prost! 

März

Gundelrebe


 

Die Gundelrebe ist ein völlig unterschätzest Wildkraut, sie wird für ihre heilkundliche Wirkung seit dem Mittelalter geschätzt, hat einen unverwechselbaren eigenen Geschmack und ist vielerorts zu finden. Wer sie ein mal kennt, wird erstaunt sein, wie oft er diese draussen findet. Meist heisst sie jedoch nicht Gundelrebe sondern Gundermann, bei mir ist sie aber unter ersterem im Kopf geblieben. Sie gehört zur Familie der Lippenblütler, was gut an ihren violetten Blüten und dem vierkantigen Stängel zu erkenne ist. Die Blätter sind herz-nierenförmig mit einem gekerbten Blattrand und behaarten Blättern. An einem sonnigen Standort färben sich die oberen Blätter rötlich-violette am äusseren Blattrand. Sie wächst meist in kriechenden, bodendeckenden Büschen die zwar 30cm erreichen können, meist aber nur 15cm hoch sind. 
Der Name kommt aus dem Althochdeutschen “Gund” was so viel wie Eiter hiess, gegen diesen hilft sie nämlich und wird seit jeher bei entzündeten Schleimhäuten, innerlich wie äusserlich, verwendet.

Ich geniesse sie aber einfach so gerne in der Wildkräuterküche zu Salat, Frischkäse, Pesto, im Aperitif oder zur Deko. Ihr Geschmack finde ich einzigartig, eine Mischung aus Basilikum, Minze und Thymian und entsprechend lässt sich dieser auch vielseitig kombinieren. Zu finden ist die Gundelrebe in feuchten Wiesen aber auch am Wald und Wegesrand. Die behaarten Blätter und sicherlich die violetten Blüten sind ein typisches Merkmal. 
Angst vor einer giftigen Verwechslung muss man hier kaum haben. Der Stängel sowie die Blüte entsprechen den typischen Merkmalen der Lippenblütler, welche alle ätherische Öle enthalten und es kaum Giftpflanzen gibt (ich habe zumindest noch keine gesehen die in normaler Dosis giftig sein könnte). Somit also eine gute "Einsteigerpflanze" mit der man in der wilden Kräuterküche experimentieren kann. 

Februar

Huflattich

 

Sie ist wohl eine der frühsten blühenden Pflanzen die wir hier wild finden können. Die gelben, wie kleine Sonnen, scheinende Blüten treiben beim Huflattich nämlich noch vor den Blättern aus. Finden kann man den Huflattich vor allem an Waldwegen auf Lehmboden. Kurz darauf oder gleichzeitig spriesst dann auch das Scharbockskraut und Lungenkraut sowie viele weitere Wildpflanzen. 
Der Huflattich ist so bekannt und beliebt weil er so gut bei (Reiz)husten hilft, dies wussten schon die Ärzte im 1. Jahrhundert n. Chr. Er gilt als entzündungshemmend und auswurffördernd. Zudem lässt der hohe Salpetergehalt die Bronchien entspannen und seine Bitterstoffe regen die körpereigenen Abwehrkräfte an. Aus den getrockneten Blättern kann man einen Tee zubereiten (1TL, 10 min ziehen lassen), jedoch darf man dies nicht zu oft. Es wird empfohlen nur 4-6 Wochen im Jahr Huflattich(tee) zu konsumieren und auch dieser sollte nur aus den Blättern und ohne die schönen gelben Blüten sein. Huflattich enthält nämlich nebst beruhigenden Schleimstoffen und Gerbstoffen auch Pyrrolzidinalkaloide (PA). Der Pflanze dienen sie zum Schutz vor Frassfeinden, für uns Menschen stehen diese jedoch seit längerem im Verdacht krebserrengend zu sein und sogar das Erbgut zu verändern. Daher ist dessen Einnahme für Schwangere und Kinder auch tabu. Da die Blüten mehr als die Blätter enthalten sollte man eben auch die Blüten nicht verwenden. Wer aber trotzdem nicht darauf verzichten möchte, kann in den Pressaft von “Schoeneberger” kaufen, der dort enthaltene Huflattich ist frei von Pyrrolizidinalkaloiden. 
Wer nun den Huflattich nicht zu Heilzwecken sammeln mag oder Angst vor den PAs hat, darf sich auch einfach nur über dessen Anblick freuen. Eine Pflanze die schon seit über 1000 Jahren von Menschen gesammelt wurde und den Auftakt in den Kräuterfrühling angibt. Oft finde ich daneben noch andere essbare Kräuter wie Scharbockskraut (auf dem 2. Bild), Lungenkraut oder Bärlauch. 

Januar

Vogelmiere

 

 

 Eigentlich ist der Januar ziemlich bescheiden zum Kräuter sammeln, da fällt was da ist umso mehr auf. Vogelmiere kann man sogar unter Schnee freibuddeln, wenn man weiss wo sie wächst. Meist findet man sie an Waldrand, Weinbergen und Unkrautfluren. Wo sie wächst hat es viel Stickstoff im Boden und der Boden ist vermutlich leicht sauer und es ist nicht voll sonnig. Die gewöhnliche Vogelmiere (Stellaria media) wird auch Stern- Vogelmiere wegen ihrer sternförmigen weissen Blüten die sich meist um 9.00 öffnen oder Hühnerdarm wegen des Stängels genannt. Wie im Bild 3 ersichtlich hat sie einen krautigen Mantel um die Leitbündel die sehr gummig sind und kaum reissen. Am Stängel hat sie zudem eine Haarlinie die jeden Stängel entlang läuft. So lässt sie sich leicht von anderen Wildkräutern unterscheiden. Sie wächst in kleinen Buschen mit langen Ausläufern, meist findet man mehrere grüne Flecken an einem Standort, weshalb sie von vielen als Unkraut geschimpft wird. 
Vogelmiere passt supergut zu Salat oder einfach so aufs Brot. Ihr Geschmack finde ich, erinnert an herben Salat und mit dem erdigen Geschmack von Randen. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, daher am Besten selbst probieren. Laut Lehrbüchern soll sie auch an Erbsen und süsses Mais erinnern. Sie enthält viele Vitamine, Mineralstoffe wie Kalium und Kieselsäure und passt so ideal in die kalte Jahreszeit. Da sie ungiftig ist, kann man alle Teile von ihr verwenden und auch regelmässig geniessen. Nur sehr grosse Portionen können abführend wirken wegen der Saponine. Wer also nicht eine ganze Schüssel davon isst, muss sich keine Sorgen machen! In der Heilkunde ist sie vor allem als Hustenlöser beliebt, da ihre Saponine den Schleim aus den Bronchien transportieren. Zudem wird auch die Nierentätigkeit angeregt und wirkt daher entgiftend. Schon Hildegard von Bingen empfahl die Vogelmiere bei Blutergüssen und Muskelzerrungen äusserlich als Umschlag. Heute wird sie eher für Hauterkrankungen wie Psoriasis und Ekzemen verwendet. 

Dezember

giftige Eibe

Tanne

 

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum.. passender könnte eine Pflanze wohl kaum zu diesem Monat sein. Das schöne ist, jeder kennt sie! Natürlich hat sie viele Geschwister wie Lerche und Fichten (Bild 2). Doch haben sie alles eines gemeinsam; sie kommen in der tristen, dunklen Jahreszeit besonders zur Geltung. Tannen und Fichten gibt es bei uns zu genüge, für andere Nadelbäume muss man oft etwas weiter in die Höhe reisen, so begnügen wir uns doch mit den Wundern in unsrem Wald. Aber Vorsicht! die wundervollen Nadelgehölze könne schnell mit der hochgiftigen Eibe (Bild 3) verwechselt werden. Diese hat je nach Saison rote beeren und grünliche Zeige mit länglichen Blättern die den Nadeln einer Tanne ähneln, sind jedoch etwas breiter mit hellen Streifen auf der Blattunterseite. Ihr Giftstoff (Taxin) kann sogar tödlich sein, daher sollte sie nicht berührt werden. Mit ein paar Verlgeichsbildern kannst du sie aber gut von den Kieferngewächsen unterscheiden. 
Tannen- und Fichtennadeln nasche ich sehr gerne beim Spaziergang durch den Wald. Sie schmecken nach Mandarinli (Tanne) oder zitronig (Fichte), vor allem die jungtriebe im Frühling sind besonders aromatisch. Jedoch kann ich dir auch beim Gang durch den Schnee ein paar Nadeln zum kauen empfehlen. Nebst dem wunderbaren Aroma haben sie jede menge Enzyme die bei Husten Linderung verschaffen und enthalten zudem Vitamin C. Die Inhaltstoff wirken allgemein beruhigend, kein wunder kommt man so entspannt von einem Waldspaziergang nach Hause. Nach ein paar Stunden draussen bei nasskaltem Wetter kannst du die Zweige kurz abwaschen und dann in die Badewanne geben. So hast du ein wohlriechendes, durchblutungsförderndes Bad. Aber auch als Tee sind sie superfein, wirken antiseptisch und unterstützen so dein Immunsystem. Beim pflücken solltest du nie zu viel von einem Zweig nehmen und besonders die vorderen Triebspitzen, die für das Längenwachstum verantwortlich sind am baum lassen. In der besinnlichen Zeit eignet sich das Harz ideal zum Räuchern und ist der heimische Ersatz für Weihrauch. 

November

Hagebutte

 

 

Die Hagebutte, die Frucht der (Wild)rose, ist leicht zu identifizieren. Es gibt keine giftigen Varianten, jedoch sind die kleinen, orangen Perlen weniger geeignet zur Verarbeitung. Die größeren Exemplare, wie auf dem Bild zu sehen, findet man häufig an Waldrändern. Dort dienen sie als Futter für Vögel und sollten nur in geringen Mengen geerntet werden. In dieser Jahreszeit ist ihr köstliches Fruchtmus in vielen regionalen Hofläden erhältlich. Vor dem ersten Frost sind die Früchte sehr fest, jedoch reich an Vitamin C – sogar bis zu 20 Mal mehr als in einer Zitrone! Die harten Früchte können halbiert, getrocknet und für harntreibenden Tee verwendet oder zu Pulver verarbeitet werden, um sie als Vitaminquelle ins Müsli zu mischen. Nach dem Frost werden sie weicher und können auch roh genossen werden. Dazu einfach die dunkle Kappe an der Spitze entfernen und das Fruchtmus durchdrücken. Vorsicht: Die feinen Härchen können stark reizen und sowohl Atemwege als auch den Darm irritieren. Daher sollte der Tee durch ein feines Sieb oder einen Teebeutel gefiltert werden, oder das Kerngehäuse sollte entfernt werden. Übrigens ist der Tee fast durchsichtig; gekaufte Varianten werden häufig mit Hibiskus vermischt, um die Farbe zu verbessern. Hagebutten haben eine grosse antientzündliche Wirkung und gelten als Geheimtipp bei entzündlichen Verdauung- und Gelenkbeschwerden. Besonders viel Wirkung steckt auch in den Harten Kernli. Diese sind zwar etwas aufwendig zum Verarbeiten aber die Mühe lohnt sich. Aus den Kernen wird das in der Kosmetik so geschätzte Wildrosenöl gemacht, welches sehr Hautverträglich ist und auch bei Ekzemen empfohlen wird. Zudem enthalten die Kerne Vanillin und wurden früher als Ersatz für die unerschwingliche Vanilleschote verwendet.  

Oktober

Kapuzinerkresse

 

 

Dies ist wohl eine meiner absoluten Lieblinge im grünen Zauberreich. Die Kapuzinerkresse hat einfach unglaublich viel Superpower, kein Wunder gilt sie auch in der Schulmedizin als die Hoffnung im Kampf gegen resistente Keime. Ihre Geheimwaffe sind die Senfölgykoside die für den scharfen Geschmack verantwortlich sind. Diese bekämpfen bakterielle Infektionen zuverlässig und eben auch die gefürchteten Spitalkeime. Da unser Körper das Senfölglykosid über Lunge und Blase verstoffwechselt, hilft die orange Schönheit besonders gut bei bakteriellen Atemwegserkrankungen und Blasenentzündungen. Jedoch reizt dieser Stoff auch unsere Magenschleimhaut und kann im Übermass zu Sodbrennen führen. Eine kleine Menge Blüten, Blätter oder auch Früchte sind aber bedenkenlos und können regelmässig in Salat, Kräuterquark oder einfach so zwischendurch genossen werden. Ihre schönen Blüten mit dem Sporn auf der Rückseite sind meist orange aber auch gelb oder sogar dunkelrot. Sie verstecken sich oft hinter den schildförmigen Blättern weshalb sie auch in der anthroposophischen und keltischen Kultur einen sehr hohen Stellenwert geniessen. So soll die Kapuzinerkresse nebst dem unglaublichen medizinischen Nutzen auch auch der Seelenebene für Hilfe sorgen. Sie wirkt mental stärkend, da sie einem Krieger mit seinem Schutzschild ähneln. So sollen Sie unsicheren Menschen das nötige Selbstwertgefühl geben, damit diese zu ihrer wahren Grösse und Talent stehen können. Die Kapuzinerkresse findet in jedem Beet schnell Fuss und vermehrt sich durch ihre Samen selbst, nebenbei soll sie Läuse und Pilzerkrankungen von anderen Kulturpflanzen schützen.