Warum ich Wildkräuter sammle


 
ja warum eigentlich? Frisches Obst und Gemüse kann man ja auch einfach im Laden kaufen und erst noch ohne Angst sich zu vergiften. Doch das sammeln von Wildpflanze bringt viele Vorteile die ich dir gerne hier näher bringen möchte. Wildpflanzen sind wahre Superfoods! Sie enthalten oft mehr Nährstoffe als herkömmlich angebaute Nutzpflanzen. Grünkohl (105mg/100g) gilt nicht ohne Grund als der Vitamin C Lieferant im Gemüseregal doch eine Vielzahl an Wildpflanzen kann das locker übertrumpfen. 
So hat die Vogelmiere 115mg/100g, Giersch 201mg/100g, der gute Heinrich 184/100mg und die Brennnessel sogar 333mg/100g an Vitamin C. Doch nicht nur was den Vitamin C Gehalt betrifft übertreffen unseren wilden Freunde das Kulturgemüse bei weitem, auch der Vitamin A, Kalzium, Kalium, Eiweiss, und Eisen ist in viele Wildpflanzen um einiges Höher. 

Das Blattgrün “Chlorophyll” regt die Blutbildung an und schützt und entgiftet unsere Leber. Was die Inhaltstoffe der Wildpflanzen betrifft, könnte man eine unendliche Geschichte schreiben! Nebst den Vitaminen und Mineralstoffen liefern uns Wildpflanzen ausgeprägte sekundäre Pflanzenstoffe. Diese dienen der Pflanze als Überlebenshilfe, da sie Fressfeinden und Wettereinflüssen sonst schutzlos ausgeliefert wären. Viele bilden daher Bitterstoffe aus, welche sie vor Fressfeinden schützen. Diese Bitterstoffe sollten bei uns in der täglichen Nahrung sein, wurden aber aufgrund eben dieses bitteren Geschmack aus unserem herkömmlichen Kulturgemüse weggezüchtet. Die Bitterstoffe regen jedoch gewisse Rezeptoren in unserm Körper an und lassen uns Speichel und Verdauungssäfte produzieren. So entsteht ein Hungergefühl und wir können die Nahrung besser verdauen. Nach einer schweren Mahlzeit regt ein kleiner Bittertrunk den Darm zum Arbeiten an und auch die Haut kann dadurch sich besser entgiften. Doch auch auf unser mentales Wohlbefinden haben Bitterstoffe einen grossen Einfluss. Sie machen wach und haben eine Antidepressive Wirkung. Bekannte Bitterstoffpflanzen sind Löwenzahn, Enzian, Tausendgüldenkraut, Hopfen, Wermut und Ingwer (und unzählige mehr). 

Wer regelmässig Wildpflanzen in seine Ernährung einbaut ist somit also besser vor Mangelerscheinungen geschützt, da diese in ihrer natürlichen Form oftmals besser vom Körper angenommen werden und vor allem weil wir diese frisch verwenden. So wissen wir immer wann das Pflänzchen geerntet wurde und noch sein volles Gehalt hat im Gegensatz zu Gemüse, dass vor unbestimmter Zeit geerntet wurde. 
Um jedoch diese Wunderwerke zu sammeln müssen wir vor die Tür! Und auch dies sehe ich als weiteren Vorteil an. Der Aufenthalt an der frischen Luft tut einfach allen gut, ich habe selten von jemandem gehört der sich nach einen Spaziergang an der frischen Luft, schlechter fühlte als zuvor. So stärken wir unsere Verbundenheit zu Natur und irgendwie auch zu uns selbst. Egal wie viel Geld jemand hat, wenn er in einer Lebenskrise ist hilft ihm die Ruhe der Natur. Ich verbringe selbst viel Zeit im Wald und bin dort noch keiner Zauberelfe begegnet, welche alle Probleme, Sorgen und Ängste weg zaubern konnte, das können nur wir selbst. Jedoch wirken die vielen ätherischen Öle der Nadelbäume im Wald nachweislich auf unser Gehirn und hellen unsere Stimmung auf. Das Grün wirkt beruhigend auf die Augen und wir können uns ganz auf den Moment fokussieren. Auch das Sammeln selbst wirkt positiv auf unser Gehirn, es sind immer wieder kleine Erfolge für mich wenn ich eine neue Wildpflanze finde oder an einem neuen Standort und das auch noch nach über fünf Jahren. Für mich ist das dies das pure Glück an den kleinen Dingen im Alltag. 

Wildpflanzen sind meist biologisch da sie ja nicht spezifisch angebaut werden und so weder mit Dünger gestärkt und geschützt werden müssen. Wir können selbst entscheiden von wo wir die Pflanzen sammeln und somit auch eher spritzmittelfreie Flächen wählen. Leider ist es so, dass Pestizide mit dem Wind oft kilometerweit getragen werden und es so wirklich schwierig ist absolut natürliche Flächen zu finden aber sicherlich um einiges besser als bei kultiviertem Anbau. Natürlich empfehle ich Zonen am Rand von Auto- und Eisenbahnen zu meiden, genauso wie stark befahrene Strassen. Und das Beste an diesem biologischen Superfood ist, es ist immer verfügbar! Es gibt das ganze Jahr Wildpflanzen, alles hat seine Saison. So kannst du auch im Winter Vogelmiere und junge Brennnessel sammeln oder Wildfrüchte wie Hagebutte oder Schlehe finden. Natürlich ist das Angebot am Frühling am Grössten aber ganz verzichten muss man zu keiner Jahreszeit. 

Zudem ist dieser ganze Service von der Natur gratis! Es gibt also wirklich keine Ausrede keine Wildpflanzen zu probieren. Oder doch? Was ist wenn ich mich vergifte? Unwissenheit ist wohl das grösste Problem wenn man mit dem Sammeln der Wildpflanzen beginnen möchte. Erstmal vorweg, wir haben nicht so viele giftigen Pflanzen bei uns und wie Paracelsus schon sage: “ Allein die Dosis macht das Gift.” Jedoch sind manche Pflanzen wie Eibe oder Fingerhut tödlich giftig. Daher gilt natürlich, es darf nur gesammelt werden, was man auch bestimmen kann. Das Gute ist, wir kennen meist mehr Wildpflanzen als uns bewusst ist und ein paar mehr lernt man schnell mit einem fachlichen Ratgeber oder mit einem geführten Wildkräuterspaziergang dazu. Die Wildpflanzen gelten ja nicht als einziges Lebensmittel sondern sie verfeinern unsere gewohnte Nahrung. Ein paar Blüte und Blätter in den Salat, Pesto oder Frischkäse machen aus einem gewöhnlichen Essen schon etwas besonderes. 
Und ich bin überzeugt auch du kennst 10 Wildpflanzen die du selber sammeln kannst! Löwenzahn, Brennnessel, Gänseblümchen, Hagebutte, Rotklee, Bärlauch, Brombeere, Buchenblätter, Lindenblüten, Tannenspitzen, Veilchen, Spitzwegerich, Giersch, Taubnessel, Knoblauchsrauke, Gundelrebe. 

Wenn auch du der wilden Sammelleidenschaft verfällst hilfst du nicht nur dir gesund und fit zu bleiben, du schütz auch die Natur. Wir lieben was wir kennen und je mehr wir über Wildpflanzen lernen umso mehr liegt uns auch deren Schutz am Herzen. So überlegst du dir es hoffentlich zweimal ob du dem verhassten “Unkraut” im Garten wirklich mit Pestiziden zu Leibe rücke willst oder es nicht einfach in den Salat geben sollst. Ich freue mich schon wenn im Garten Schaumkräuter durchdringen weil sie einfach super lecker sind so aus einem für manche “ungepflegtem” Garten eine Wildkräuterparadies wird. Auch die Natur wird sich bei dir bedanken mit einer Vielzahl an Insekten die das natürliche Gleichgewicht, ganz ohne dein Zutun, aufrecht erhalten.